Selbstachtung und Selbstvertrauen

Aus Wille und Erfolg - 11. Kapitel: Selbstachtung und Selbstvertrauen

 

Ich trau auf keinen einzelnen Mann, denn einer bin ich auch.

Uhland.

Sei dein eigener Freund, so wirst du andere gewinnen.

Schottisches Sprichwort.

Selbstachtung ist der Eckstein aller Tugenden.

S. Herschel.

Vor allem ehre dich selbst.

Pythagoras.

Niemand kann mir Schaden verursachen, außer ich selbst; das Übel, das ich erfahre, trage ich in mir selbst herum, und durch nichts leide ich so sehr, als durch mich selbst.

St. Bernhard.

Die Achtung vor dem eigenen Selbst ist nächst der Religion der stärkste Damm gegen alle Laster.

Bacon.

Sei dir selbst getreu, und es ist klar wie der Tag, dass du gegen niemanden falsch sein kannst.


 

Ein armer schottischer Weber pflegte täglich darum zu beten, dass der liebe Gott ihm eine recht gute Meinung von sich selbst geben möchte. „Denn“, sagte er, – „wie kann ich erwarten, dass andere Gutes von mir denken, wenn ich ihnen nicht mit gutem Beispiel vorangehe?“

Die Chinesen stellen den Satz auf, dass es nicht der Mühe wert sei, einen Mann zu achten, der sich nicht selber achte; und es ist allerdings richtig, dass die Welt, von der ich Achtung verlange, ein Recht hat, mich als Betrüger zurückzuweisen, wenn ich mich nicht selbst ehre. Selbstachtung beruht auf denselben Grundsätzen wie Achtung für andere. Die Wage der Gerechtigkeit hängt im Herzen jedes Menschen; selbst der Mörder achtet den Richter, der ihn verdammt, weil die leise Stimme tief innen sagt: „Er ist gerecht.“ Die Gerechtigkeit kümmert sich nicht darum, wer gewogen wird; ob König, ob Bettler, es ist ihr gleich.

Die Welt hat ein Recht, mich nach meiner eigenen Schätzung zu bemessen. Wir selbst drücken uns unsern Stempel auf und können nicht erwarten, höher angeschlagen zu werden.

Wenn du in Gesellschaft erscheinst, so blicken die Leute in dein Gesicht und dein Auge, um zu sehen, wie hoch du dich schätzest.

Wenn sie sehen, dass du eine geringe Meinung von dir hast, warum sollten sie sich bemühen, herauszufinden, ob du dich nicht zu gering angeschlagen hast? Sie wissen, dass du dich selbst lange genug kennst, um deinen Wert besser beurteilen zu können als sie.

„Die Vorsehung pflegt hundert Jahre zu brauchen, um ein großes staatsmännisches Genie hervorzubringen und dann wartet sie gewöhnlich wieder hundert Jahre“, sagte Kaunitz, der seinem Vaterland 50 Jahre lang als Staatsmann gedient hatte; „und eben das ist es, was mich zittern lässt, was nach meinem Tode aus Österreich werden soll.“

„Mylord, ich weiß, dass ich den Staat retten kann, ich und kein anderer;“ das waren die Worte, die Pitt im Jahre 1757 dem Herzog von Devonshire sagte. Und er rettete den Staat wirklich.

„Ist es nicht herrlich, dass ich so singen kann?“ fragte Jenny Lind eine Freundin in naiver Freude über ihre eigene Begabung.

Ludwig XIV. sagte zu seinem Beichtvater: „Ach, es ist nur wahr; ich bin ohne Zweifel, wie Sie sagen, ein großer Sünder – aber der liebe Gott wird sich zweimal besinnen, ehe er einen solch großen Fürsten wie mich verstößt.“

Große Männer haben in der Regel bedeutendes Selbstvertrauen: Dante prophezeite seinen eigenen Ruhm, Kepler erklärte, dass es gleichgültig sei, ob seine Zeitgenossen seine Bücher läsen oder nicht; „denn“, sagte er, „ich kann recht wohl 100 Jahre auf einen Leser warten, wenn Gott sogar 6000 Jahre auf einen solchen Beobachter wie mich gewartet hat.“ Richard Wagner sprach nach dem ersten Bayreuther Festspiel das große Wort: „Sie haben nun eine Musik“, gelassen aus.

„Fürchte dich nicht, denn du trägst Cäsar und sein Glück!“ Der Pilot mochte sich vor dem Unwetter fürchten – Cäsar glaubte zu fest an sich selbst, um der Furcht Raum zu geben. Was uns bei anderen als unangenehme Selbstüberhebung auffallen würde, das ist bei großen Männern oft nur der kräftige Ausdruck des Vertrauens in ihre Fähigkeiten. Vielleicht hat die Natur sie mit größerem Selbstvertrauen bedacht, um sie zum Aufstreben in die Höhe zu ermutigen. Der Glaube an sich selbst lässt auf überschüssige Kraft schließen; er zeigt an, dass man sich die Situation gewachsen fühlt. Es ist daher gewöhnlich nicht gefehlt, wenn man denen, die sich selbst vertrauen, auch vertraut; während demjenigen, der seine eigenen Fähigkeiten bezweifelt, bald Misstrauen entgegentreten wird.

Moralische Erniedrigung fängt stets im innersten Bewusstsein an.

In unserer geschäftigen Welt haben die Leute keine Zeit, in allen Ecken mühsam nach zurückgezogenem Verdienst zu suchen; sie ziehen es vor, den Menschen nach seiner eigenen Schätzung zu beurteilen, bis er sich etwa unwürdig erweist. Die Welt bewundert Mut und Männlichkeit; der Jüngling aber, der „mit einer Miene umhergeht, als bäte er alle Welt um Entschuldigung für die unverzeihliche Sünde, in der Welt zu sein“ – wird verachtet.

Schelling sagt, dass, wenn ein Mensch sich dessen bewusst ist, was er ist, er auch fühlen wird, was er sein sollte und dass der theoretischen Achtung für sich selber bald die praktische folgen würde.

Jemand, der fest überzeugt ist, dass Möglichkeiten in ihm vorhanden sind, besitzt sie wirklich.

„Demut ist die Eigenschaft des Weisen und steht dem Menschen gut“, sagt Kossuth; „aber lasst uns auch dem Selbstbewusstsein Achtung zollen; es ist mehr als alles andere die höchste Eigenschaft des wahren Mannes. Ein Jüngling muss jene Selbstachtung besitzen, die ihn über die Gemeinheit hinweghebt und ihn unabhängig von Kränkungen und Impertinenzen macht.“

Es gibt eine Art der Erhöhung, welche nicht vom Glück abhängt“, bemerkt La Rochefoucauld; „und zwar besteht dieselbe aus einer gewissen Art und Weise, die uns auszeichnet und für große Dinge vorherzubestimmen scheint: Sie ist der Preis, den wir stillschweigend auf uns selber setzen. Durch diese Eigenschaft gewinnen wir die Huldigungen anderer Menschen, und sie erhebt uns in der Regel höher über sie, als Geburt und Würde, ja selbst als Verdienst.“

Selbstvertrauen und Selbstachtung geben uns ein Bewusstsein der Kraft, das durch nichts anderes hervorgerufen werden kann. Der Schwache, der Schutzbedürftige, der Abhängige, der Unentschlossene, der Flatterhafte – sie alle können

„Niemals ermessen jenen edlen Stolz,

der den durchglüht, der auf sich selbst vertraut.“

 

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