Die Ehre über alles

Aus Charakter - eine Macht - 9. Kapitel: Die Ehre über alles

 

Der reinste Schatz, den diese Welt uns beut

ist: Fleckenloser Ruf; ist der dahin,

so sind die Menschen nur gemalter Ton.

Shakespeare.


„Reichtum verloren – nichts verloren;

Gesundheit verloren – etwas verloren;

Ehre verloren – alles verloren.“

Inschrift über der Tür einer Schule in Deutschland.


Wir besaßen keinen Pfennig; aber wir sprachen nie vom Geld, denn Geld war unserem Ehrgeiz nichts.

Rousseau.


 

„Das Mehl kostet bei uns fünf Heller die Metze und Wasser bekommen wir umsonst, Majestät.“ Das war die Antwort, die Sokrates dem König Archelaus gab, der ihn aufgefordert hatte, das öffentliche Lehren in den schmutzigen Straßen Athens aufzugeben und mit ihm in seinem prächtigen Schloss zu wohnen.

 

„Ich brauche aber solche Sachen nicht“, sagte Epiktet zu dem reichen römischen Redner, der über seine Verachtung des Reichtums spottete, „und übrigens seit Ihr ärmer als ich. Ihr habt zwar Silbergefäße, aber Euer Verstand, Eure Grundsätze, Eure Bedürfnisse sind von Ton; mein Geist versorgt mich mit reichlicher Tätigkeit an Stelle Eures unruhigen Müßiggangs. All Euer Besitz scheint Euch gering; meiner erscheint mir groß. Eure Wünsche sind unersättlich, die meinigen sind befriedigt.“

 

„Ich besitze einen reichen Nachbar“, sagt Walton, „der immer so beschäftigt ist, dass er keine Zeit hat, zu lachen; sein ganzes Leben bringt er damit hin, Geld und immer mehr Geld zu verdienen; er arbeitet beständig weiter und sagt: ‚Die fleißige Hand macht reich‘; aber er bedenkt nicht, dass Reichtum nicht die Macht hat, glücklich zu machen, oder, wie ein weiser Mann von großer Urteilskraft es ausdrückt: ‚Diesseits des Reichtums gibt es ebensoviel Elend als jenseits‘.“

 

Die Schlüssel, die jene Reichtümer verschließen, hängen oft recht schwer am Gürtel des reichen Mannes. Wir wollen also dankbar sein für Gesundheit und gutes Auskommen und für ein ruhiges Gewissen.

 

„Geld ist keine Notwendigkeit“, sagte Professor Blackie zu den Studenten der Edinburgher Universität; „Macht ist nicht notwendig, Freiheit ist nicht notwendig, selbst Gesundheit ist nicht das Notwendigste; aber einen guten Namen, den müssen wir haben, der ist das Wichtigste.“

 

„Die wahren Wohltäter der Menschheit“, sagt Emerson, „sind diejenigen Männer und Frauen, die ihre Mitmenschen emporzuheben verstehen aus der Welt des Geldes und der Sorgen, die ihnen Interesse einflößen für ihr höheres Wesen und sie ihren Geldbeutel vergessen machen; die den Erwerbenden in Regionen heben, wo er aufhört, Glück und Größe nach Dollar und Cent zu berechnen; und die materielle Bedürfnisse gering einschätzen, auf dass die Menschen sich an der Tafel geistiger Genüsse sättigen.“

 

Der ist der Reichste, der sein Land bereichert, der mit seinem Geld zugleich sich selbst gibt, auf den sein Volk stolz ist, weil er die Tür goldener Gelegenheiten am weitesten seinem Nächsten öffnet, und der dem Blinden Auge, dem Lahmen Fuß ist. Solch ein Mann macht jeden Fußbreit Bodens seiner Heimat wertvoller und jeden seiner Nachbarn reicher. – Andererseits hat mancher Millionär die Stadt, in der er lebte, geschädigt und jeden Quadratfuß Bodens entwertet. –

 

Ist ein guter Name nicht das Kapital des armen Mannes? Ist er nicht ein erreichbares Stück Eigentum? Wird er nicht als moralische Sicherheit, als edelstes Besitztum betrachtet? „Der gute Name ist ein Rittergut in der Schätzung der Menschen; und wer ihn erwirbt, der wird seine Belohnung in der Achtung und Wertschätzung seiner Nächsten finden.“

 

„Du sollst mir ebenso treu dienen, wie ich dir“, sagte ein Quäker, seines Zeichens ein Gerber, zu seinem neuen Lehrling. Der Junge gewann sich seines Meisters Vertrauen durch Ehrlichkeit, Fleiß und Gutmütigkeit. „Harry“, sagte der Quäker, „ich werde dir ein schönes Geschenk machen, wenn deine Lehrzeit um ist. Ich kann dir noch nicht sagen, was es sein wird; aber es wird für dich einen größeren Wert haben als eine Hundertpfundnote.“

 

Als die Lehrzeit um war, sagte der Meister: „Ich will dein Geschenk deinem Vater übergeben“; und als er zu diesem kam, redete er ihn an: „Dein Sohn ist der beste Lehrling, den ich je gehabt habe. Und das ist, was ich ihm schenke: Ein gutes Zeugnis.“

 

Harrys Erwartungen eines goldenen Lohnes schwanden dahin; aber sein Vater sagte zum Meister: „Es ist mir lieber, dass du so sprichst, als wenn du meinem Sohn all dein Geld gegeben hättest; denn ein guter Leumund ist besser als große Reichtümer. Er ist die Frucht seiner eigenen Anstrengung, die Belohnung seiner guten Grundsätze.“

 

Ein guter Name! Ohne ihn hat Geld keinen Wert, Geburt keinen Vorzug, Stellung keine Würde, Schönheit keinen Reiz und Alter keine Achtung.

 

„Guter Ruf ist gute Ware“, sagt Dr. Hawes; „je mehr ein Mensch davon besitzt, je leichter kann er beides vermehren.“

 

Ein guter Ruf bedeutet Macht und Einfluss; er macht Freunde, erwirbt Gunst und Unterstützung und öffnet einen sichern Weg zu Wohlhabenheit, Ehren und Zufriedenheit.

 

Wie hätten jene Tausende von Geschäftsleuten, die beim Brand von Chicago jeden Cent, den sie besaßen, verloren hatten, es möglich machen können, sofort ihr Geschäft wieder aufzunehmen und fortzusetzen, wenn ihr guter Ruf nicht ihr Betriebskapital gewesen wäre? Die kaufmännischen Agenten bezeugten, dass sie ehrliche Männer seien: „Sie hätten stets prompt bezahlt, sie seien fleißig und zuverlässig, und ihre Geschäftsführung sei eine solide gewesen.“

 

Dieses Zeugnis war so gut wie eine Summe auf der Bank; ihr guter Ruf war ihr Bürge. Er war die Münze, die völlig verarmte Männer in den Stand setzte, Waren im Wert von vielen Tausenden zu kaufen. Ihre Rechtschaffenheit verbrannte nicht zugleich mit ihren Warenhäusern. Ihr bestes Teil konnte nicht vom Feuer erreicht, nicht vernichtet werden. Ein guter Name ist ein köstliches Ding, köstlicher als Kronen und Schätze; kein edleres Streben auf Erden, als ihn zu gewinnen. Denn bloßer Gelderwerb ist mit Recht ungesund genannt worden, wenn er den Geist verarmt, oder wenn er die Quellen höheren Lebens vertrocknet; wenn er den Sinn für Schönheit tötet, und uns gleichgültig macht gegen die Wunder der Kunst und Natur; wenn er den moralischen Sinn abstumpft und den Unterschied zwischen Recht und Unrecht, zwischen Tugend und Laster verwischt. –

 

Es ist genau ebenso wichtig, sich Zeit für die Entwicklung der ästhetischen Fähigkeiten zu gönnen, als es nötig ist, den Erwerbssinn zu pflegen. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ Sein höheres Leben verlangt gleichfalls angemessene Nahrung. Der Millionär, der keinen guten Ruf besitzt, ist ein Bettler im Vergleich zu dem Armen, der ihn sich erworben hat. Was sind denn Häuser und Äcker, Aktien und Staatspapiere, verglichen mit der Ehre? Eine einfache Lebensweise, eine reiche Gedankenwelt und ein hohes Streben sind die wahren Reichtümer. Weder die Mittel, noch der Wert eines Menschen können nach seinem Geld bemessen werden: Hat er eine volle Börse und ein leeres Herz, ein großes Besitztum und ein beschränktes Verständnis – was nützen ihm da seine „Mittel“? Welches Glück verschafft ihm sein Kredit?

 

Gibt es wohl einen traurigeren Anblick, als den eines Greises, der, anstatt geistig zu wachsen, sein ganzes Leben damit verbracht hat, Geld zu gewinnen? Selbst wenn er vermittelst seines Reichtums Bücher, Statuen und Gemälde angehäuft hat, kann er doch ein Fremdling unter ihnen sein. Wie arm ist er, wenn seine Seele nun gar zu der eines Geizhalses zusammengeschrumpft ist und all seine edleren Regungen erstorben sind!

 

Soll man den einen „Glückspilz“ nennen, dessen Bulldoggengesicht nur zu deutlich die Geschichte seines Vermögens erzählt? – Kann man nicht von diesem brutalen Gesicht die traurigen Erfahrungen der Witwen und Waisen ablesen?

 

Oder nennt man den einen self-made man – einen Mann, der sich selbst „gemacht“ hat – der andere vernichtet, niedergerissen hat, um sich selbst in die Höhe zu bringen? Kann der Mann, der andere ärmer macht, wirklich reich sein? Kann der glücklich sein, in dessen Gesicht jeder Zug von schmutzigem Geiz spricht – deutlich wie der Hunger im Gesicht eines Wolfes? Wie selten sieht man edle, ruhevolle, schöne Gesichter an Menschen, die, im landläufigen Sinn, großen Erfolg gehabt haben! In Gesicht und Bewegungen drückt sich das Gefühl aus, welches das Herz regiert.

 

„Ehrenhaftigkeit vor Reichtum!“ war das Motto des Bostoner Kaufmanns Lawrence, der in sein Taschenbuch schrieb: „Was helfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“

 

„Wissen Sie denn, mein Herr“, sagte ein Anbeter des Mammons zu John Bright, „dass ich eine Million Pfund Sterling wert bin?“ „Jawohl“, sagte der Gefragte mit unerschütterlicher Ruhe, „das weiß ich; und ich weiß auch, dass dies alles ist, was Sie wert sind.“

 

„Das Leben wiegt uns beständig in einer sehr feinen Waage“, sagt Lowell, „und sagt jedem von uns genau, wie schwer sein Gewicht bis zum letzten Gramm ist.“

 

„Ich darf keinem Menschen das Recht geben, sich in meiner Gegenwart reich zu fühlen, und wenn er noch so viele Besitztümer hat“, sagt Emerson; „ich muss ihn fühlen lassen, dass ich seine Reichtümer nicht brauche, dass ich nicht gekauft werden kann und dass, ob ich gleich keinen Deut besitze, und er mein Brotherr sein sollte, er doch neben mir ein armer Mann ist.“

 

„Was meinen wir Amerikaner damit“, sagt Henry Beecher, „wenn wir sagen, dass einer ein ‚gemachter Mann‘ ist? Meinen wir vielleicht, dass er seine niedrigen Instinkte bezähmen kann, so dass sie nur seine besseren Gefühle anfeuern und seiner Natur Stärke geben? Oder dass seine Taten wie Weinstöcke sind, die nach allen Seiten ihre Reben und Blüten und Früchte ausbreiten? Dass seine Geschmacksrichtung so verfeinert ist, dass alles Schöne zu ihm spricht und ihn erquickt? Dass er ein offenes Verständnis besitzt, so dass ihm alle Wege zur Wissenschaft zugänglich sind und er ihre Schätze sammeln kann? Dass seine moralischen Eigenschaften so entwickelt und geschärft sind, dass er dem Höchsten zustrebt?

 

O nein. Das alles meinen wir nicht. Der ‚gemachte‘ Mann ist kalt und tot in Geist und Gemüt und Seele, nur seine Leidenschaften sind lebendig; aber – er besitzt fünfmalhunderttausend Dollar! –

 

Und wir sagen auch: Ein Mann ist ‚ruiniert‘. Da sind wohl sein Weib und seine Kinder tot? O nein. – Oder es gab ein Zerwürfnis, und sie sind von ihm getrennt? O nein. – Er hat vielleicht seinen guten Namen durch ein Verbrechen verloren? Nein. – Sein Verstand hat gelitten? O nein; er ist bei voller Geisteskraft. – Ist er unheilbar krank? Nein; das alles ist es nicht. Aber er hat sein Vermögen verloren, und – er ist ‚ruiniert‘. Den Mann nennen wir ruiniert! Wann werden wir lernen, dass eines Menschen Leben nicht ‚besteht in dem Überfluss der Dinge, die er besitzt?‘“

 

Ein bankrotter Kaufmann kam eines Tages nach Hause und sagte zu seiner Frau: „Mein Kind – wir sind ruiniert; alles, was wir besitzen, ist in den Händen des Gerichtsvollziehers.“

 

Nach einigen Augenblicken des Schweigens blickte seine Frau ihn an und fragte: „Wird der Gerichtsvollzieher dich fortnehmen?“ – „Nein, das nicht.“ – „Wird er mich fortnehmen?“ – „Nein.“ – „Wird er die Kinder fortnehmen?“ – „O nein.“ – „Nun, dann sage nicht, dass wir alles verloren hätten. Was vom höchsten Wert für uns ist, das bleibt uns: Wir selbst. Wir haben jetzt die Ergebnisse unseres Fleißes und unserer Geschicklichkeit verloren; aber wir können uns ein anderes Vermögen erwerben, wenn unser Herz und unsere Hände uns bleiben.“

 

Welche Macht könnte die Armut denn über eine Familie ausüben, in der liebevolle Herzen schlagen im Bewusstsein unermesslicher Reichtümer des Gemütes? Ein reiches Gemüt wird selbst über das bescheidenste Heim einen Hauch der Schönheit werfen.

 

Wer sollte nicht vorziehen, ein Millionär an Charakter und Zufriedenheit zu sein, statt eines Menschen, der nur die gemeinen Geldmassen eines Krösus sein eigen nennt?

 

Ein Mensch, der die Zivilisation in der Welt verbreitet, ist reich, und besäße er auch keinen Heller; und künftige Geschlechter werden ihm sein Denkmal errichten. Andere Menschen wiederum sind reich an Gesundheit, an unerschütterlichem Frohsinn, an heiterem Temperament, und schweben leichten Sinnes über Sorgen und Prüfungen hinweg, die andere Leute zu Boden drücken würden. Noch andere sind reich an Freunden, an liebenswürdigen Angehörigen, an freundlicher Gemütsart. Es gibt Menschen von solch liebenswertem Charakter, dass jedermann ihnen gut ist; andere von solcher Heiterkeit, dass sie eine Atmosphäre von Gemütlichkeit mit sich herumtragen. Wieder andere sind reich an strenger Ehrenhaftigkeit und Festigkeit des Charakters.

 

Was bedeuten die schweißgetränkten Erwerbungen des Reichtums, die um einen Vanderbilt oder einen Rothschild aufgehäuft sind, im Vergleich zu den Schätzen der Wissenschaft und dem unsterblichen Ruhm großer Männer?

 

Viele unserer größten Dichter und Künstler waren reich, ohne Geld zu besitzen. Sie sahen den Glanz in der Blume, die Pracht im Gras; sie lasen im murmelnden Quell wie in einem Buch, sie hörten die Steine predigen und fanden Köstliches im Rauschen des Windes und im Rollen des Donners. Jeder Gegenstand in der Natur schien ihnen vom Schöpfer des Schönen eine Botschaft zu bringen. Sie besaßen Macht und Reichtum, aber nicht im landläufigen Sinn; Wiesen und Felder, Vögel, Wälder und Felsen boten ihrem Geist das, aus dem sie unterbliche Werke schufen. Solchen seltenen Naturen erscheint jedes Ding der Schöpfung von Schönheit durchdrungen; und ihre durstige Seele trinkt davon, wie ein Wüstenwanderer von dem gottgesandten Wasser der Oase. Es scheint so recht eigentlich die Mission solcher Menschen zu sein, Kraft und geistige Stärke aus der sie umgebenden Schöpfung in erfrischenden Strömen auf die dürstende Menschheit auszuschütten.

 

„Welcher Maßstab ist anzulegen, um die wahre Bedeutung einer Nation zu bestimmen?“ fragt Lowell. „Dieser: Je größer die Summe des Denkens, der moralischen Energie, der intellektuellen Glückseligkeit ist, je höher das Banner der Hoffnung und des Trostes für die Menschheit gehalten wird – umso gewisser ist ein Volk wahrhaft groß.“

 

Gedeihen.

Alles Obige ist gesagt worden in der Ausnahme, dass jeder Leser in seiner frühen Jugend – wo unabänderliche Gewohnheiten angenommen werden – erzogen worden ist: Zu den Grundgesetzen der Sparsamkeit und der täglichen Arbeit; zum Verdienen eines wenn auch bescheidenen Lebensunterhaltes; zum Vermeiden von Schulden; zum Zurücklegen eines Sparpfennigs für die Zeiten der Krankheit und des Alters; zu Hilfsbereitschaft und zu all jenen gesunden und guten Regeln der Mäßigkeit und Selbsterhaltung, die ebenso genau gelernt und befolgt werden müssen, wie die zehn Gebote.

 

Wenn wir all dies als bereits vorhanden annehmen, so ist als eine der ersten großen Lehren des Lebens zu erlernen: Die richtige Schätzung der Werte.

 

Wenn der Jüngling ins Leben eintritt, so sieht er vor sich allerlei lockende Waren ausgebreitet, und es werden alle möglichen Anstrengungen gemacht, um ihn zum Kaufen derselben zu veranlassen.

 

Sein Erfolg im Leben wird nun größtenteils davon abhängen, ob er die Fähigkeit besitzt, die ihm gebotenen Dinge nicht nach ihrem scheinbaren, sondern nach ihrem wirklichen Wert zu beurteilen. Gemeiner Reichtum wird seine Verlockungen vor ihm ausbreiten und die Oberhand über alles andere zu gewinnen suchen. Tausend Pläne werden ihm vor Augen gehalten werden, jede Beschäftigung, jeder Beruf werden ihre Vorzügen vor ihm entfalten; – aber der Jüngling, der seinen Weg im Leben machen will, der darf sich nicht blenden lassen, der muss den Schwerpunkt seines Lebens da suchen, wo er wirklich liegt. Ist es denn zu verwundern, wenn unsere Kinder mit falschen Hoffnungen, mit falschen Ansichten ins Leben treten? Man sagt dem Knaben, dass er „vorwärts kommen“ müsse, dass er „in der Welt eine Stellung erobern“ müsse, dass er „sich Geld verdienen“ müsse.

 

Und doch sollte man in unserm Jahrhundert des rastlosen Wettbewerbs und der siegenden Begabung die Lehre der Genügsamkeit verkünden und zu der Selbstachtung erziehen, die nicht des sogenannten Erfolges bedarf.

 

„Ich glaube“, sagt Julia Howe, „viele unserer jungen Leute fangen zu begreifen an, dass ein würdiges Leben der beste Erfolg ist; ob begleitet von Reichtum, von Armut oder von jenem beneidenswertesten Mittelweg – einem bescheidenen Auskommen – ist gleich. Ein reines, ehrenhaftes Leben und ein ruhiges Festhalten an den Grundsätzen sind die festesten Grundpfeiler des wahren Erfolges.“ „Jeder Erfolg im Leben“, sagt Franziska Willard, „ist ein Misserfolg, wenn er die Summe menschlicher Glückseligkeit nicht vermehrt.“ „Der Mensch kann ebenso gut eine Schublade mit Wahrheit oder eine Truhe mit Tugend füllen, wie ein Herz mit Reichtum“, sagt Brooks.

 

„Willst du die Macht des Charakters ermessen“, sagt Emerson, „so überlege, um wie viel ärmer die Welt sein würde, wenn man aus der Geschichte das Leben Schillers, Shakespeares und Platos nehmen könnte – nur diese drei – und wenn sie nicht existiert hätten.“ Sind wir liebevoll, selbstlos und ehrlich, dann haben wir, ob unsre Taschen auch oft leer sind, ein Erbteil, welches ebenso köstlich als unzerstörbar ist.

 

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