Feinfühligkeit, aber keine Empfindlichkeit

Aus Wie man an die Spitze kommt - Feinfühligkeit, aber keine Empfindlichkeit!

 

Viele Leute sind schüchtern und treffen nicht gerne mit Fremden zusammen. Dieses Gefühl kann überwunden werden und muss überwunden werden, wenn einer ein guter Geschäftsmann werden will. Durch Überempfindlichkeit ist schon manchem ein Strich durch die Rechnung gemacht worden. Auch sonst gut geartete und fein gebildete Fachleute, Männer wie Frauen, sind so empfindlich gegen Kritik und geistige Beeinflussung, dass sie es nie zu der ihnen gebührenden Stellung zu bringen vermögen. Sie wähnen sich in ihren Gefühlen immerfort verletzt, weil sie sich ewig einbilden, „man habe etwas gegen sie“ im Lager, im Laden, im Magazin, in der Fabrik, oder wo es auch sei. Dieses kränkende Gefühl eines an ihnen begangenen Unrechts ist ihr ständiger Begleiter und macht sie nicht nur unglücklich, sondern beeinflusst auch ihre Leistungen sehr nachteilig.

 

Empfindliche Leute sind meistens sehr feinfühlig, edel angelegt und begabt, und wenn sie nur jene Schwäche überwinden können, so würden sie tüchtige und gewissenhafte Arbeiter abgeben. Zuweilen entspringt dieser Fehler – und ein Fehler ist es, und ein recht bedenklicher – aus einem gewissen gesteigerten Selbstbewusstsein, das allerdings hier nicht wie sonst in Egoismus und Dünkel ausgeartet erscheint. Es hat sich vielmehr als ein krankhaftes Traumbild so breit auf der Netzhaut des Geistes niedergeschlagen, dass alles davon überschattet wird. Wer damit behaftet ist, wird bei all seinem Tun und Treiben das Gefühl nicht los, als sei er der Mittelpunkt, auf den alle Augen und alle Gedanken andauernd gerichtet sind. Er lebt in dem Wahn, seine Bewegungen, seine Person werden bekrittelt oder bespöttelt, während in Wirklichkeit ihn vielleicht niemand in acht nimmt, gar keiner an ihn denkt.

 

Diese Empfindlichkeit verrät immerhin einen gewissen Mangel an Selbstachtung, und daran sollte es doch eigentlich weder Mann noch Frau mit Wissen oder Willen fehlen lassen. Zum ganzen Menschen gehört auch das Bewusstsein des eigenen Wertes. Über missgünstige Kritik oder Bespöttelung muss man erhaben sein. Als dem Diogenes hinterbracht wurde, man lache über ihn, erwiderte er: „Aber ich fühle mich nicht getroffen!“ Nur wer den Spott auf sich bezieht und sich aus der Fassung bringen lässt, wird eigentlich verlacht.

 

Wie kann man nun aber über die krankhafte Empfindlichkeit Herr werden? Man suche stets ungezwungenen Verkehr mit allen und bemühe sich, auf andere Gedanken zu kommen, indem man die eigene Tüchtigkeit und Begabung mindestens ebenso unparteiisch einschätzt, wie man sie bei seinen Freunden oder Bekannten werten würde. Dies muss möglichst objektiv geschehen, sonst wird man nie im besten Licht erscheinen und auch tatsächlich nicht sein Bestes leisten können. Dazu bedarf es der Willenskraft und unbeugsamer Entschlossenheit. Was aber schon so viele fertig gebracht haben, das kann jeder zuwege bringen. Schon mancher, der jahrelang unter diesem Druck geseufzt hatte, hat sich aus eigener Macht davon frei gemacht und sich noch zu leitender Stellung emporgeschwungen.

 

Freies und wohlgefälliges Benehmen und würdiges Auftreten gewinnt man durch Wertbewusstsein. Scheuen und empfindlichen Personen wird es ja nicht leicht, ihr linkisches Wesen zu bezwingen. Sie sind zu empfindlich, gar zu schnell in ihren Gefühlen verletzt und bekümmern sich allzu ängstlich um fremde Gedanken. Sie glauben, alle Welt habe nichts Besseres zu tun als sie zu beobachten und über ihre Ungeschicklichkeit Glossen zu machen.

 

Der Erzbischof Whately, dem seine angeborene Schüchternheit und krankhafte Rücksichtnahme auf das, was man wohl von ihm denke, viel unsagbare Pein bereitete, konnte damit nicht fertig werden, bis er sich fest vornahm, sich um die Meinung der Leute gar nicht mehr zu scheren und sich nicht fortwährend einzubilden, dass alles nur nach ihm sehe; dann wurde er schnell geheilt. Das allzu empfindliche Selbstgefühl loszuwerden und sich so einzuschätzen, wie man es verdient, ist das erste Mittel, das linkische und unbeholfene Wesen abzustreiten.

 

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