Erwarte Großes von dir selber

Aus Die Wunder des rechten Denkens - 4. Kapitel: Erwarte Großes von dir selber

 

Die Gewohnheit, Großes von uns selber zu erwarten,

lockt wirklich das Beste hervor, das in uns ist.


Der Glaube ist ein göttlicher Bote,

der den von Zweifel und Sünde geblendeten Menschen auf den rechten Weg führt.


Wenn ein Tierbändiger zum ersten Mal zu den wilden Tieren in den Käfig träte und wäre dabei voll Furcht, Zweifel und Unsicherheit, was würde da wohl geschehen? Wenn er zu sich spräche: „Ich will versuchen, ob ich mit diesen Tieren fertig werde, aber ich glaube wirklich nicht, dass ich es kann?“ Wenn er mit einer derartigen Haltung des Geistes den wilden Tieren gegenüberträte, so würden sie ihn augenblicklich in Stücke reißen. Kühnheit und Mut allein können ihm das Leben erhalten. Er muss die Tiere mit seinem Blick bändigen und es muss eine ungeheure Energie und Willenskraft hinter diesem Blick stehen, denn der leiseste Schein von Furcht wäre sein Tod, das kleinste Zeichen von Angst würde ihm das Leben kosten.

 

Ganz allgemein gesprochen: Niemand kann etwas mit der Entschlusskraft unternehmen, die nötig ist, um es durchzuführen, wenn er nicht selbst die Überzeugung und den Glauben hat, dass er das erreichen wird, was er sich vorgenommen hat.

 

Wie lange wird ein junger Mensch brauchen, um sich ein Vermögen zu erwerben, wenn er nicht das geringste Zutrauen zu sich selber hat, dass er es auch kann, wenn er überzeugt ist, nur wenige könnten reich sein, die meisten müssten arm bleiben und er selber gehöre höchst wahrscheinlich zu diesen meisten? Wie lange wird ein junger Mann brauchen, um eine gute Stellung zu erhalten, wenn er sich selber die Fähigkeit abspricht, eine zu finden, und immerfort sagt: „Wozu soll ich es eigentlich versuchen?“

 

Ich habe junge Leute gekannt, die Rechtsanwälte, Ärzte oder Geschäftsmänner werden wollten, aber mit solch schwachem Willen, mit so schwankendem Entschluss, dass die erste Schwierigkeit sie schon abschreckte, die ihnen in den Weg kam. Nichts leichter, als solche Menschen von ihrem Entschluss abzubringen! Ich habe andere gekannt, die ihre Laufbahn mit so energischem Willen und so nachhaltiger Entschlusskraft antraten, dass nichts sie hemmen konnte, denn der Drang nach vorwärts zu ihrem Ziel war ihnen in Fleisch und Blut übergegangen.

 

Wenn wir untersuchen, wie große Erfolge zustande gekommen sind und wie die Menschen beschaffen waren, die sie erreicht haben, so finden wir jedesmal als die hervorragende Eigenschaft das Selbstvertrauen. Der Mann, der den stärksten Glauben an seine Fähigkeit hat, das durchzusetzen, was er unternommen hat, der wird am ehesten durchdringen, auch wenn sein Selbstvertrauen anderen verwegen oder gar tollkühn erscheint. Und zwar wirkt dieser Glaube nicht bloß auf ihn selber, sondern fast ebenso sehr auf andere, und beides zusammen macht erst den Erfolg möglich. Wir glauben gern an solche, die uns den Eindruck der Kraft geben; das können sie aber nicht, wenn sie nicht selber an ihre Kraft glauben, wenn ihr Geist voll ist von Furcht und Zweifel. Man braucht sich nur einmal die Laufbahn und das Schicksal eines Mannes wie Zeppelin im Einzelnen zu vergegenwärtigen, um einzusehen, wie richtig das ist.

 

In allem, was wir tun, und bei jedem Geschäft, das wir machen, kommt es für uns darauf an, dass andere die Überzeugung gewinnen und glauben, wir können Pläne entwerfen und ausführen, wir können erstklassige Ware herstellen, wir können unsere Angestellten richtig verwenden, wir können die tausenderlei Dinge leisten, die man von uns verlangt und erwartet. Das Leben ist zu kurz und die Zeit reicht nicht, jedesmal zu untersuchen, ob einer auch fähig ist, die Sache wirklich zu leisten, die er zu leisten verspricht; deshalb nimmt die Welt zunächst die Schätzung an, die ein Mensch von sich selber hat, und hält sie fest, bis er selbst das in ihn gesetzte Vertrauen enttäuscht. Ein Arzt braucht nicht jedem neuen Kranken seine Zeugnisse vorzulegen; wer das Schild eines Rechtsanwalts an seiner Tür hat, von dem nimmt man ohne weiteres an, dass er sich auf diesen Beruf genügend vorbereitet hat, solang er nicht das Gegenteil beweist.

 

Unter einer Anzahl von Schulgenossen wird man immer einige finden, die keck auftreten und vorwärts kommen, während andere darauf warten, bis jemand sie entdeckt. Aber die Welt hat mehr zu tun, als den Verdienst aufzusuchen, und deshalb nimmt sie so lange an, du könnest leisten, was du versprichst, bis du selber deine Unfähigkeit erweist.

 

Deshalb dürfen wir in unserem Selbstvertrauen keinen Augenblick schwanken, denn nichts zerstört das Vertrauen der andern so schnell als der Zweifel, der sich bei uns selber regt, und viele haben nur deshalb keinen Erfolg, weil sie ihre Entmutigung von sich ausstrahlen lassen und so die andern enttäuschen.

 

Wenn du dich selbst nicht hoch einschätzt und dich heruntersetzt, so kannst du sicher sein, die andern werden sich nicht die Mühe nehmen, dich hinaufzusetzen oder zu prüfen, ob deine Selbsteinschätzung nicht zu niedrig sei.

 

Ich habe noch nie gesehen, dass ein Mensch, der sich selber nicht hoch einschätzte, etwas wirklich Wertvolles geleistet hat. Wir können nicht mehr aus uns herausholen, als wir selber erwarten. Wenn du Großes von dir verlangst, aber auch wirklich erwartest, dann wirst du auch Großes leisten.

 

Wer sich selber beständig heruntersetzt und sich gar nichts zutraut, der macht auch auf die andern einen minderwertigen Eindruck, denn was er denkt, prägt sich irgendwie in seinem Äußeren auch aus.

 

Wenn du selber nicht viel von dir hältst, so wird man dir das bald ansehen. Wenn du aber die Eigenschaften, die dir etwa fehlen, beständig im Sinn trägst und bejahst, so werden sie allmählich dein Eigentum, und dass du sie besitzt, wird sich auch äußerlich an dir ausprägen. Du musst dich groß fühlen, ehe du groß aussehen kannst.

 

Selbstvertrauen ist die Grundlage aller Leistungsfähigkeit; die Überzeugung, dass wir eine Sache wirklich ausführen können, hat eine ganz gewaltige Kraft.

 

Wer einen festen Glauben an sich selbst hat, der ist gefeit gegen alle Unsicherheit und Zweifel, ob er denn auch an seiner richtigen Stelle sei, ob er denn auch die nötigen Fähigkeiten habe und wie es ihm wohl in Zukunft gehen werde. Er hat Freiheit für alle seine Fähigkeiten und kann sie frei sich auswirken lassen – und das ist nötig, wenn er wirklich etwas Großes leisten will. Freiheit von Sorge, Furcht und Ängstlichkeit ist dem Geist so nötig wie dem Körper Freiheit von Ketten und Banden. Selbstvertrauen ist der Grundstein jedes großen menschlichen Gebäudes; es hat überall die größten Wunder gewirkt und die größten Schwierigkeiten überwunden. Sagt doch die Bibel, dass der Glaube Berge versetzt.

 

Überall lesen wir in der Bibel, dass es der Glaube war, der Männer wie Abraham, Moses, die Propheten befähigt hat, ihre wunderbaren Taten zu vollbringen. Nichts wird so oft betont in der Bibel als der Wert des Glaubens. Das Wort: „Dir geschehe, wie du glaubest“, geht durch die ganze Bibel. Überall wird uns gesagt, dass wir ohne Glauben nichts tun können und dass wir sofort unsere Kraft verlieren, wenn unser Glaube wankt. Wie schön und durchsichtig ist das gezeichnet in dem Bild des Petrus, der glaubensvoll und mutig auf dem Wasser wandelt, um zu seinem Meister zu kommen, aber sofort zu sinken beginnt, wie sein Glaube wankt und er sich vor den Wellen fürchtet.

 

Der Glaube ist das Band, das die Zustände in unserem Geist und die draußen in der Welt miteinander verbindet. Der Glaube betritt das Allerheiligste, das Ewige in uns und rührt an das Göttliche, er öffnet uns den Zugang zu der wahren Quelle des Lebens, und durch den Glauben kommen wir in Berührung mit der unendlichen Macht. Unser Leben ist groß oder klein, ausgezeichnet oder gewöhnlich, je nach der Klarheit und Stärke unseres Glaubens.

 

Manche Menschen scheuen sich, diesem Glauben zu trauen, weil sie sein Wesen nicht kennen und ihn mit Einbildung verwechseln. Aber er ist die Stimme des Unendlichen selber, die in uns ertönt. Er ist ein Vermögen des Geistes, mit dem wir nicht raten oder meinen, sondern wissen, mit dem wir den Weg wahrnehmen, den wir mit allen übrigen Kräften unseres Geistes nicht erblicken. Er ist ein Wissen, genauso wirklich und so begründet als das Wissen, das uns unsere Sinne vermitteln. „Es ist der Glaube eine gewisse Zuversicht des, das man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht.“ Er übt einen veredelnden Einfluss auf unseren Charakter aus und hebt uns zu den Höhen, von denen aus wir das gelobte Land unserer Ideale mit Augen vor uns liegen sehen. Der Glaube ist das Licht der Wahrheit.

 

Es ist geradezu ein Verbrechen, einem Kind den Glauben an sich selber zu rauben, indem man ihm sagt, es werde niemals etwas aus ihm werden und ihm fehlten die Gaben, die andere besäßen. Eltern und Lehrer denken viel zu wenig daran, wie empfänglich die jungen Seelen für solche Reden sind und wie leicht sie beeinflusst werden durch Worte, mit denen man ihre Unvollkommenheit und Minderwertigkeit ausspricht. Dieses Einreden einer angeblichen Minderwertigkeit hat mehr Unheil angestiftet und mehr Leben zerstört als irgendetwas anderes in der Welt.

 

Sogar ein Rennpferd kann keinen Preis gewinnen, wenn sein Selbstvertrauen zerstört wird. Die Leute, die es zum Rennen vorbereiten, wissen das wohl und suchen mit allen Mitteln dieses Selbstvertrauen wachzuhalten, denn es ist ein wichtiges Erfordernis zum Sieg.

 

Der Glaube macht unsere Kräfte frei und lässt unsere Anlagen sich entfalten. Er hat zu allen Zeiten die größten Wunder gewirkt. Alles, was dein Vertrauen auf dich selber stärkt, das stärkt auch deine Kraft. Die Männer, die große Taten getan haben, waren immer ausgezeichnet durch starken Glauben an sich selbst, an ihre eigene Kraft und an die Zukunft der Menschheit. Den unbedeutenden Menschen hat immer dieser Glaube gefehlt, und so wurden sie zaghaft und mutlos.

 

Die meisten unter denen, die die Menschheit auf eine höhere Stufe gehoben haben, fingen klein und arm an und sahen viele Jahre lang kaum eine Möglichkeit vor sich, ihr Ziel zu erreichen; aber sie arbeiteten weiter in dem festen Glauben, dass die Pforte zum Erfolg sich ihnen doch noch öffnen werde. Was hat diese Hoffnung und dieser Glaube für die großen Erfinder geleistet! Man denke nur an die Jahre, die Zeppelin als Gegenstand des Spottes selbst seiner nächsten Bekannten verleben musste. Wir genießen heute tausend Annehmlichkeiten des Lebens, diese haben entschlossene Männer für uns geschaffen, die oft genug taub bleiben mussten gegen die Bitten derer, die ihnen am nächsten standen, aber kein Vertrauen zu ihnen hatten und kein Mitgefühl für ihre Lage empfanden. Selbstvertrauen ist der beste Ersatz für Genie und ist mit dem Genie eng verbunden.

 

Niemand hat das Wesen dieses Glaubens bis jetzt richtig bestimmen können. Was ist das für eine Kraft, die den Menschen bei seinem Vorsatz festhält, die seinen Mut und seine Hoffnung auch unter den erschwerendsten Umständen lebendig erhält und die ihn aufrecht hält, wenn seine Nächsten und Liebsten ihn nicht verstehen und kein Vertrauen zu ihm haben, die ihn so stark macht, dass er Dinge ertragen kann, die ihn ohne diese Kraft hundertmal umgebracht hätten?

 

Der Glaube ist eine Art sechster Sinn, ein Sinn der Seele, ein geistiges Fernsehen, das weit über den Bereich des leiblichen Auges hinausblickt. Er ist ein Vorläufer des Helden, der ihm den Weg zeigt, der die verschlossenen Tore für ihn öffnet, der über die Hindernisse weg den Pfad erblickt, den der Mensch mit seinen übrigen Sinnen und Fähigkeiten nicht zu sehen vermag.

 

Der Glaube, der stärker war als alle Hindernisse, hat die großen Entdecker und Erfinder zu dem gemacht, was sie sind, und ihm verdankt jeder, der etwas Großes erreicht hat, das Beste davon. Wer diesen Glauben an sich selbst hat, für dessen Zukunft braucht uns nicht bange zu sein.

 

Wenn es möglich wäre, um den Glauben eines Menschen an sich selbst eine Messschnur zu legen, so wäre dieses Maß zugleich ungefähr das Maß dessen, was ihm möglich ist, denn niemand leistet etwas Großes mit kleinem Glauben: ist sein Glaube schwach, so ist es auch seine Leistung.

 

Wenn du zugibst, dass du eine Unmasse Mängel hast, dass das Glück dir nicht hold ist, dass du nicht dasselbe leisten kannst wie andere, erwartest du da wirklich etwas anderes, als dass deine Erfolge diesen Urteilen entsprechen? Jeder andere wird dich für recht minderwertig halten, und es ist eine alte Erfahrung, dass die Schätzung, die andere von uns haben, von größtem Einfluss ist auf das, was wir im Leben erreichen. Wenn man sich aber selbst mit der Aufschrift „minderwertig“ versieht, wenn man geflissentlich den Eindruck hervorruft, dass man keine allzu hohe Meinung von sich selber hat, wie sollen da die andern anders urteilen?

 

Wenn wir uns mehr zutrauen wollten, wenn wir mehr Glauben an uns selbst hätten, so könnten wir unendlich mehr leisten. Und wir hätten diesen richtigen Glauben, wenn wir unsere eigene Göttlichkeit deutlicher erkennten. Wir werden gehemmt durch die alte Lehre, dass der Mensch von Natur verdorben sei. Aber von natürlicher Minderwertigkeit oder Verderbnis kann bei dem gottgeschaffenen Menschen keine Rede sein. Was Gott geschaffen hat, das ist vollkommen. Aber freilich, viele von uns sind nur ein Zerrbild dessen, was Gott wollte. Wir denken uns klein und minderwertig, weil wir abwärts denken. Wir müssen aber aufwärts denken, wenn wir die Höhe erreichen wollen, auf der die Vollkommenheit wohnt.

 

Eine der unglücklichsten Vorstellungen der hergebrachten Theologie ist der Gedanke von der Verschlechterung des Menschen, der von einem hohen „Urstand“ herabgesunken sei. In Wirklichkeit ist der Mensch, soweit wir seine älteste Geschichte kennen, aus niedrigen Anfängen beständig aufwärts gestiegen; allerdings hat jene Vorstellung seinen Aufstieg öfter aufgehalten als befördert. Der gottgeschaffene Mensch ist niemals „gefallen“, aber seine mangelnde Selbsteinschätzung, seine geradezu verbrecherische Selbstunterschätzung hat ihn allerdings oft gelähmt und heruntergebracht.

 

Die Bibel lehrt und nirgends, dass wir vor Gott kriechen sollen wie Sklaven; solche Selbsterniedrigung macht nur schlechter. Der Mensch ist nach Gottes Bild geschaffen, um seine Gottebenbildlichkeit zu behaupten, er ist aufrecht geschaffen und soll der ganzen Welt und auch seinem Schöpfer frei ins Antlitz schauen.

 

Wenn der Mensch ein Königskind ist und königliches Blut in den Adern hat, dann soll er auch sein angeborenes Recht kühn und männlich, mit Würde und Selbstvertrauen behaupten. Der Fehler, den wir machen, liegt darin, dass wir unsere angeborenen guten Eigenschaften zu wenig im Sinn behalten, dass wir nicht hoch genug von uns denken. Täten wir das, so wäre unser Ausdruck und unsere Erscheinung gottähnlicher.

 

Ob wir es wissen oder nicht, jedenfalls ist das sicher, dass wir nicht stärker sein können, als unser Glaube an uns selber ist, dass wir nicht mehr leisten können, als wir uns zutrauen.

 

Wenn wir uns daran gewöhnen, uns immer bewusst zu bleiben, dass unsere Fähigkeiten und unsere Kraft größer sind als das, was wir jetzt eben damit leisten, so hat das einen ganz gewaltigen Einfluss auf unsere geistigen Fähigkeiten und entwickelt und entfaltet sie ungemein. Die Kraft, die wir anwenden könnten, ist noch so wenig entwickelt, dass unsere Selbsteinschätzung fast immer zurückbleibt hinter der Höhe, zu der unser verborgener Kraftbesitz uns berechtigt.

 

Fast immer ist der größte Fehler eines Menschen sein mangelnder Glaube an sich selber. Sehr viele von denen, die keine Erfolge hatten, könnten sie haben, wenn diese Fähigkeit in ihrer Jugend besser ausgebildet und entwickelt worden wäre.

 

Nimm einen zaghaften, scheuen, stets zurückweichenden Menschen und bringe ihm bei, dass er an sich selbst glaubt, dass er einsieht, auch in ihm liegen große Möglichkeiten, dass er überzeugt ist, auch aus ihm könne noch ein angesehenes und leistungsfähiges Mitglied des Staates werden. Lass ihn in diesem Glauben sich üben, bis er ganz stark wird, und du wirst sehen, es wächst ihm nicht bloß der Mut, sondern alle seine geistigen Fähigkeiten wachsen und entwickeln sich mit.

 

Es kommt gar nicht in erster Linie darauf an, wie groß die ursprünglichen Fähigkeiten eines Menschen sind: seine Selbsteinschätzung bestimmt das Ergebnis ihrer Betätigung. Du kennst das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden oder, wie es eigentlich heißt, Talenten; aus ihm stammt unser Ausdruck Talent. Wenn ein Mensch nur ein Talent, aber einen starken Glauben an sich selbst hat, so leistet und erreicht er viel mehr als ein anderer, der fünf oder zehn Talente, aber kein Selbstvertrauen besitzt.

 

Ich kenne nichts, das den Menschen vor allem Niedrigen und Gemeinen so stark schützt, als die Gewöhnung, doch von sich selbst zu denken. Alle Kräfte wirken dann zusammen, die Ideale zu verwirklichen. Du musst aufbauende und erhebende Vorstellungen von dir selber und von den göttlichen Möglichkeiten hegen, die in dir liegen. Wenn du dich so an immer höheren Idealen und Maßstäben misst, so wirst du auch immer höher steigen.

 

Der Zweifel an uns selber lähmt unsere Kraft. Wir müssen erst glauben, dass wir eine Sache ausführen können, erst dann können wir’s wirklich. So lange wir zweifeln, leisten wir nichts.

 

Wenn wir eine brennende Sehnsucht empfinden, etwas auszuführen, so ist das schon ein Beweis dafür, dass wir auch die Fähigkeit dazu haben, und die beständige Bejahung, dass wir es tun können und tun werden, macht die Verwirklichung noch gewisser. Der Glaube ist der Felsen, in den der Grundstein des Charakters eingesenkt ist. Wer einen unerschütterlichen Glauben an seine Sendung, an sich selbst und an seinen Gott besitzt, der hat Kraft und Macht.

 

Ein Mensch mit starkem Glauben an sich selbst erweckt Glauben an seinen Erfolg auch bei solchen, die nicht mit seinen Zielen übereinstimmen. Man glaubt an ihn und seinen Erfolg umso mehr, je unerschütterlicher und fester er selber den Glauben an seine Sendung festhält. Wer aber nur lose mit seiner Arbeit zusammenhängt und leicht von seinem Ziele abgebracht werden kann, der ist überhaupt kein Mann.

 

Fast allen Menschen aus meiner Bekanntschaft, die große Erfolge erzielt haben, war es zur zweiten Natur geworden, bei allem, was sie unternahmen oder was ihnen begegnete, zu erwarten, dass es gut ausgehen werde. Durch eine geheimnisvolle, uns nicht näher bekannte Kraft zieht eine derartige Erwartung das an, was man wünscht.

 

Es gibt nichts, was uns so viel Nutzen und Gewinn bringt, als diese Gewohnheit, immer das Beste zu hoffen, immer überzeugt zu sein, dass wir schließlich gewinnen werden. Dagegen ist es für den Erfolg höchst ungünstig, unter Umständen geradezu verhängnisvoll, wenn wir schon beim Beginn eines Unternehmens erwarten, es werde wohl misslingen: denn der Erfolg wird zuerst im Geist errungen und dann erst verwirklicht.

 

Es gibt Menschen, denen alles gelingt, weil sie mit vollem und festem Vertrauen auf das Gelingen an die Sache herangehen. Andern misslingt dagegen fast alles, weil sie von vornherein so viele bedrohliche Hindernisse sehen, dass sie den Mut verlieren, und das macht den Geist verneinend und unschöpferisch und verhindert ihn an jedem tapferen Wagnis.

 

Wenn dem General Napoleon die Alpen so furchtbar vorgekommen wären wie denen, die ihn davor warnten, so hätte er seinen berühmten Zug über den St. Bernhard mitten im Winter niemals gemacht.

 

Große Taten tut einer nur unter dem Antrieb einer übermächtigen Überzeugung, dass er durchführen kann, was er unternimmt. In einer solchen starken Bejahung, die mit unerschütterlicher Entschlossenheit ausgesprochen wird, liegt eine unwiderstehliche Kraft. Man hätte ebenso gut den Felsen von Gibraltar bewegen können, als einen Helden des Willens wie Napoleon von dem abbringen, was er sich vorgenommen hatte.

 

Der Glaube ist unsere Sicherheit, wenn wir kein Licht mehr vor uns sehen. Er tut uns dieselben Dienste wie der Kompass dem Schiffer im Sturm: wenn wir auch vor Wind und Wellen nicht voraus Ausguck halten können, so wissen wir doch, dass wir auf dem rechten Weg sind, denn der Kompass weicht niemals ab.

 

Die heutigen Riesengeschosse langsam durch eine Schiffspanzerplatte zu drücken, ist unmöglich; wenn aber eine gehörige Pulverladung ihnen die rechte Geschwindigkeit und Durchschlagskraft verleiht, so drücken sie den Stahl auseinander wie Butter. So kommt ein zögernder, unsicher vorwärtsschreitender Mensch nicht durch die Hindernisse auf seinem Weg durch, die vor dem kühn und mutig gegen sie vorgehenden kraftlos in sich zusammensinken. Ob eine Schwierigkeit groß oder klein ist, das hängt davon ab, ob du klein oder groß bist.

 

Scheue dich nicht vor der Übernahme einer ernsten Verantwortung, wenn sie auf dem Weg liegt, auf dem dich deine Pflicht vorwärts führt. Es ist ein schlimmer Fehler, wenn man meint, man sollte sie heute ablehnen, weil man später besser auf sie vorbereitet sei. Du musst sie auf dich nehmen, wenn sie an dich herantritt: die nötige Übung kommt dann von selbst.

 

Fürchte dich nicht, Großes von dir selbst zu verlangen: Kräfte, von denen du nie geahnt hast, dass du sie besitzt, werden dir zu Hilfe kommen. Vertraue dir selbst – dieser eherne Klang tönt in jedem tapferen Herzen nach. Wenn du Großes von dir verlangst, so weckst du Kräfte in dir auf, die ohne diese Forderung niemals zur Betätigung gekommen wären.

 

Betrachte dich als beständig vom Glück begünstigt; das wird dir außerordentlich gut tun. Denke nur allein, wie wertvoll es ist, wenn andere das auch von dir glauben und überzeugt sind, dass alles gut ausgeht, was du anfängst.

 

Dieser Glaube seiner Umgebung, dass er stets Erfolg habe in allem, was er unternehme, hat mitgewirkt, Theodor Roosevelt in die Höhe zu bringen. Er hatte den Ruf, dass er den Sieg an seine Fahne zu fesseln verstehe, und man erwartete stets das Größte von ihm. Er ist aber offenbar auch selber der Meinung, dass er immer gewinnen müsse. So hat er zu seiner eigenen Tatkraft noch die belebende Wirkung der allgemeinen Erwartung von ihm erfahren dürfen. Er glaubt selber, dass er dazu bestimmt ist, Großes durchzusetzen, und an diesem Selbstvertrauen hat sich das Vertrauen seines ganzen Volkes entzündet, und so war jede Schlacht für ihn von vornherein halb gewonnen und der Erfolg jedesmal sicher, wenn er etwas unternahm.

 

Manche Menschen entdecken allerdings ihr wahres Selbst erst nach einer schweren Niederlage; diese scheint eine Springfeder in ihrem Wesen zu berühren und Kräfte zu entfesseln, mit denen sie wahre Wunder tun. Wenn ein Mensch, der aus dem rechten Holz geschnitzt ist, einmal strauchelt und fällt, wenn er sehen muss, wie seine Bekannten überzeugt sind, mit ihm sei es jetzt vorbei, dann fasst er den Entschluss, sich erst recht durchzusetzen, und jeder Blutstropfen in ihm arbeitet mit.

 

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