Das Steuer des Gedankens bewahrt das Lebensschiff vor dem Untergang

Aus Die Macht des Gedankens - 1. Kapitel: Das Steuer des Gedankens bewahrt das Lebensschiff vor dem Untergang

 

Durch Gedanken schaffen wir uns unsere Zukunft, gut oder übel, wir wissen es nur nicht. So ist auch das ganze All durch Gedanken gemacht. Gedanke ist nur ein anderer Name für Schicksal, also wähle dir dein Schicksal selbst! Liebe bringt Liebe und Hass bringt Hass.

Ella Wheeler Wilxoc.


Ein Mann, der nicht sehr viel gelernt hatte, erbte ein Schiff. Er verstand nichts von allem, was zum Seewesen gehört, nichts vom Segeln und nichts von Maschinen, aber der Gedanke, als Befehlshaber seines eigenen Schiffes eine Reise zu machen, reizte ihn. Das Schiff wurde flott gemacht und der selbsternannte Kapitän ließ die Mannschaft zunächst ihre verschiedenen Arbeiten allein machen, da das Vielerlei der Aufgaben ihn verwirrte. Auf hoher See wurde die Sache einfacher und er hatte nun Zeit, alles genau zu beobachten. Als er an Deck hin und her ging, sah er einen Mann an einem großen Rade drehen, bald nach der einen, bald nach der andern Richtung. „Was zum Henker macht der Kerl da?“ fragte er. „Das ist der Steuermann“, hieß es, „er steuert das Schiff.“ „Ich sehe keinen vernünftigen Sinn in diesem Hin- und Herdrehen. Wir haben nichts als Wasser vor uns und ich meine, die Segel genügen zur Fahrt. Wenn Land in Sicht kommt oder ein Schiff uns begegnet, dann ist’s noch Zeit genug zum Steuern. Setzt alle Segel und lasst das Schiff laufen!“ Der Befehl wurde ausgeführt. Die paar Menschen, die den Untergang des Schiffes überlebten, vergaßen ihr Leben lang den törichten Kapitän nicht, der geglaubt hatte, ein Schiff steuere sich selbst.

 

Du sagst, es habe nie einen solchen Mann gegeben. Ich gebe zu, du hast recht. Aber was ich nicht zugebe, das ist die Meinung, dass es keine solche Torheit gibt. Du wärest nicht so töricht?

 

Überlege dir’s einen Augenblick. Ist dir nicht etwas zur Leitung anvertraut, zarter und kostbarer als irgendein Schiff – dein Leben, dein Geist? Wie viel Sorgfalt verwendest du darauf, diesen Geist zu steuern? Lässt du ihn nicht so ziemlich gehen, wie er will? Lässt du ihn nicht von den Stürmen des Zorns und der Leidenschaft dahin und dorthin getrieben werden? Lässt du dich nicht durch zufällige Freundschaften, durch zufällig gelesene Bücher, durch zufällige Unterhaltungen in Lagen bringen, die du niemals mit Absicht ausgesucht hättest? Bist du wirklich der Kapitän deines Schiffes, der es zu dem sichern Hafen des Glückes, des Friedens und des Erfolgs steuert? Und wenn du es nicht bist, möchtest du es nicht werden? Es ist leichter als du denkst, wenn du nur bestimmte Grundwahrheiten einsiehst und deine bessere Natur wirken lässt. Dir zu sagen, wie du das machen sollst und deine Tätigkeit zu leiten, ist der Zweck dieser Reihe von kleinen Aufsätzen über den Wert des Gedankens für die Gestaltung des Lebens.

 

Wenn man bedenkt, dass der Geist die ganze Welt beherrscht, so muss man sagen, dass diese Kraft bisher merkwürdig vernachlässigt und falsch verstanden wurde. Auch wo man seine Macht anerkannte, hat man ihn als etwas Unveränderliches aufgefasst, als ein Werkzeug, das nur der recht gebrauchen könne, der mit der Fähigkeit dazu geboren sei. Erst in den letzten Jahren hat die Forschung begonnen, sich um das Verständnis zu bemühen, wie man die Gedanken beherrschen und dazu gebrauchen kann, einen schon gebildeten Charakter noch zu beeinflussen, äußere Umstände oder doch zum mindesten ihre Wirkung auf uns abzuändern und Gesundheit, Glück und Erfolg herbeizuziehen. Die Möglichkeiten der Bildung und Erziehung des Gedankens sind unbegrenzt, ihre Folgen reichen bis in die Ewigkeit hinein, und doch bemühen sich noch immer so wenig Menschen, ihre Gedanken in Bahnen zu lenken, die für sie selbst heilsam werden, und überlassen lieber alles dem Zufall oder den tausend Umständen, die unseren Geist bedrängen und bezwingen, wenn wir ihnen nicht richtig entgegenarbeiten.

 

Es kann kein wichtigeres Wissensgebiet und keine höhere Pflicht gegen uns und andre geben, als diese Beherrschung des Gedankens, diese Herrschaft über uns selbst, die auf Selbstvervollkommnung hinarbeitet. Vielleicht ist die Tatsache, dass man den Gedanken selbst nicht greifen kann und dass die meisten von uns so wenig Herrschaft über ihn besitzen, der Grund für die weitverbreitete Überzeugung, dass die Leitung der Geistestätigkeit eine schwierige und verwickelte Sache sei und viel Mühe, viel Zeit und viel Büchergelehrsamkeit erfordere. Aber nichts ist unrichtiger als diese Meinung. Jeder Mensch, so unwissend, so ungebildet und so vielbeschäftigt er sein mag, hat in sich selbst alles, was er braucht, und hat die Zeit, die er braucht, um eine völlige Neuschaffung seines denkenden Wesens, seines Charakters, ja tatsächlich seines Leibes und seines Lebens zustande zu bringen. Aufgabe und Ziel sind dabei für jeden Menschen verschieden, aber der Vorgang selbst ist überall der gleiche und die Umbildung ist für alle gleich möglich.

 

Der Meißel eines Bildhauers in der Hand eines Pfuschers kann das schönste Bild verderben; in der Hand eines Verbrechers kann er ein Einbruchswerkzeug oder eine Mordwaffe werden. Wenn wir die Macht in Händen haben, unser Wesen zu schaffen oder zu verderben, was für Toren sind wir da, wenn wir nicht versuchen, Schönheit und Einklang, Glück und Erfolg zu schaffen! Der Bildhauer wird es nicht wagen, blindlings drauflos zu meißeln, ohne den Marmor anzusehen; sondern die Augen fest auf sein Werk gerichtet, tut er jeden Schlag im Gedanken an das Bild, das er im Geist geschaffen und im Modell nach seinen Gedanken gebildet hat. So müssen auch wir es machen, wenn wir unsern Charakter bilden, unsre Umgebung formen und unser Leben gestalten. Mir müssen wissen, was wir wollen und wie wir’s zu machen haben, und dann an die Arbeit gehen, ohne zu ermatten und nachzulassen.

 

Was unser Denken von einem gewöhnlichen Werkzeug unterscheidet, ist die Tatsache, dass wir mit ihm arbeiten müssen: wir können es nicht beiseite legen und sagen, wir wollen keinen Schlag mehr tun. Wir müssen denken, und jeder Gedanke ist ein Schlag, der ein Stück von unserm Leben schmiedet. Darum müssen wir uns energisch entschließen, das Denken möglichst nutzbringend für uns zu machen und dann den Entschluss auch mit festem Willen durchführen.

 

Aber auch wenn wir diese wichtige Aufgabe mit allem Ernst angreifen, so wird sie für Erwachsene durch lebenslange Gewohnheiten und festgebahnte Gedankenwege stark erschwert. Das richtige Arbeitsfeld in dieser Frage der Gedankenbeherrschung ist die neu heranwachsende Jugend. M. E. Carter sagt: „Wenn Eltern und Erzieher ihre ganze Energie darauf verwenden wollten, der ihnen anvertrauten Jugend diese Gedankenbeherrschung zu lehren, statt dass sie so viel Mühe und Zwang darauf verwenden, ihnen ein von außen kommendes Gebot vorzuhalten, dem sie gehorchen müssen, dann würde die Aufgabe der Erziehung des kommenden Geschlechtes äußerst vereinfacht und eine sehr viel höhere Klasse von menschlichen Wesen würde auf unserer Erde erscheinen.

 

Das Kind, das man gelehrt hat, die rechten Gedanken zu denken und die falschen durch die Herrschaft über seinen eigenen Geist zu vertreiben, braucht immer weniger äußere Gebote und wird rein und aufrichtig aufwachsen, weil es nichts zu verbergen und nichts zu unterdrücken hat. Herrschaft über den Geist ist die einzige Form der Herrschaft über sich selbst, und wer diese früh lernt, der entgeht vielem Unglück und vielen harten Erfahrungen, die das Leben andrer verdüstern, weil sie diese größte aller Lebenswahrheiten nicht gelernt haben.“

 

So wollen wir um unsrer selbst und um unsrer Kinder willen den großen Segen recht bedenken, der aus dem richtigen Verständnis der Kräfte unsres Lebens und aus ihrer richtigen Beherrschung fließt.

 

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