Die Herrschaft über unsre Stimmungen

Aus Die Macht des Gedankens - 7. Kapitel: Die Herrschaft über unsre Stimmungen

 

Nur der Mensch ist ein Charakter, der weiß, was er will, der sich weder von Leidenschaften noch von Stimmungen leiten lässt, sondern nach festen Grundsätzen handelt.

Treu.


Wenn es dir schwer wird im Leben, wenn dir alles quer geht, wenn du von allen Seiten bedrängt bist, wenn der Himmel trübe wird und du kein Licht mehr siehst, dann ist die rechte Zeit, in der du zeigen kannst, aus welchem Holz du geschnitzt bist. Wenn etwas in dir ist, so bringt die Not es an den Tag. Nicht was ein Mann durch die Umstände gezwungen tut, sondern was er gegen sie tut, das ist der Maßstab für seine Fähigkeit.

 

Wenn du morgens beim Aufstehen in trüber und mutloser Stimmung bist, weil dir widerwärtige Dinge bevorstehen, dann nimm dir ganz fest vor, dass, komme was kommen mag, gerade dieser Tag in deiner Erinnerung einmal rot angestrichen sein soll. Dan wirst du statt des sonst vorauszusehenden Misserfolges und statt den Tag zu verlieren unendlich mehr ausrichten, als wenn du jener Stimmung nachgegeben hättest.

 

Der Mensch ist von Natur träge, und wenn ihm etwas schwer wird, so ist die Versuchung sehr groß für ihn, entweder oberflächlich darüber weg oder bequem darum herum zu gehen. Aber das ist nicht die Art, wie man den Drachen tötet, der auf unserm Weg lauert und uns unser Glück rauben will. Schüttle nicht einfach ab, was dir obliegt und geh nicht um Hindernisse herum, sondern mitten durch! Packe den Drachen am Kopf und erwürge ihn!

 

Frank C. Haddock sagt in seinem Buch „Die Macht des Willens“: „Vor allem müssen Ärger, Reizbarkeit, Eifersucht, trübe Stimmungen, bittere Empfindungen, mürrische Gedanken und quälende Sorgen durch entschlossenes und herrisches Wollen für immer aus dem Geist vertrieben werden. Denn all diese Stimmungen sind schädliche Geister. Sie bringen nicht nur dem Geist Verwirrung, sondern sie schädigen auch den Körper, indem sie giftige und verderbliche Stoffe erzeugen und den richtigen Umlauf der Säfte hemmen. Die von ihnen erzeugten Gifte sind geradezu tödlich: sie zerstören die Zellen des Nervengewebes und rufen dauernde Zustände im Körper hervor, die das kräftige Wollen unmöglich machen. Sie lähmen die Hoffnungsfreudigkeit, machen die edlen Antriebe unsres Wollens machtlos und vermindern unsre geistige Spannfülle. Sie müssen aus dem Körper verbannt werden und man muss entschlossen sein, sie stets als Eindringlinge zu behandeln. Wir müssen sie ohne Mitleid erwürgen, erschlagen und für immer vernichten. Wer diese Leistung vollbringt, der wird empfinden, wie sein Wille stärker und stärker wird, bis er alles erreicht, was überhaupt erreichbar ist.“

 

Wenn du mürrisch, trübsinnig oder niedergeschlagen bist, wenn du dir angewöhnt hast, über irgendetwas dich mit Sorgen zu quälen, oder wenn du sonst einen Fehler hast, der die volle Entwicklung deiner Fähigkeiten hemmt, dann wirst du das nicht dadurch loswerden, dass du nun darüber nachgrübelst. Nichts ist gewisser, als dass diese Stimmungen durch jede Pflege, die ihnen zuteil wird, sich verstärken. Aber wenn der Kranke – denn es handelt sich hier um etwas wirkliches Krankhaftes – versucht, den Lauf seiner Gedanken dadurch umzulenken, dass er sich irgendeine angenehme Erinnerung zurückruft oder dass er etwas Schönes in Natur oder Kunst betrachtet oder dass er ein gutes, erhebendes Buch liest, dann verschwinden die trüben Stimmungen bald, Sonnenschein verdrängt das Düster und Freude die Trauer. Frau Wiggs sagt: „Es gibt einen Weg, um dir zum Frohsinn zu verhelfen: wenn du nicht wohl bist, so lächle; wenn dein Kopf zerspringen will, dann denke an das Kopfweh von jemand anders; wenn die Wolken so dicht sind, dass man meint, man könne sie schneiden, dann denke an den heitren Sonnenschein.“

 

Eine der frischesten und frohesten Frauen, die ich je gekannt habe, sagte mir, dass sie früher sehr zu trüben Stimmungen geneigt gewesen sei, aber dass sie diese dadurch besiegen lernte, dass sie ein frisches, fröhliches Lied sang oder ein lebhaftes Stück auf dem Klavier spielte, so oft sie merkte, dass ein solcher „Anfall“ kommen wollte.

 

Diese verdrängende Macht eines entgegengesetzten Gefühls wirkt unbedingt, wenn der neue Gedanke stärker ist als der alte.

 

„Das einzige Mittel gegen Trägheit ist Arbeit“, sagt Rutherford; „das einzige Mittel gegen Unglauben ist, die Zweifel abzuschütteln, indem man betet wie es heißt: Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben; das einzige Mittel gegen Zaghaftigkeit ist, sich in irgendeine fruchtbare Aufgabe zu stürzen, so wie man kopfüber leichter ins kalte Wasser kommt als durch allmähliches Hineinsteigen.“ Ebenso ist es das einzige Mittel gegen trübe Stimmungen, dass man frohe Stimmungen nötigenfalls absichtlich herbeiführt und Geist und Gedanken völlig damit erfüllt. Es bedarf einer starken Willensanstrengung, aber der einzige Weg, mit einem Fehler fertig zu werden, ist der, beständig an die entgegengesetzte Tugend zu denken und sie so lange auszuüben, bis sie durch Gewohnheit zum wirklichen Besitz wird. Fass gerade den entgegengesetzten Gedanken von dem, der dich bedrückt, und halte ihn fest: das verwandelt deine Stimmung in ihr Gegenteil. Die Einbildungskraft ist ungemein stark, wenn es gilt, einen widerwärtigen Gedanken zu verändern. Wenn du das Opfer einer verkehrten Stimmung bist, so sprich zu dir selber: „All dies ist gar nicht wirklich, es hat nichts zu tun mit meinem höheren und besseren Selbst, denn der Schöpfer hatte gewiss nicht die Absicht, als er mich schuf, dass ich von solchen trüben Bildern beherrscht werden solle.“ Rufe dir die schönsten Erinnerungen, die glücklichsten Tage zurück; denke beständig an angenehme Dinge, vertreibe die Gedanken an Misserfolg durch die Erinnerung an alle Erfolge, die du schon errungen hast. Halte frohe Gedanken fest, wenn dich Kummer bedrücken will, rufe die Hoffnung zu Hilfe und male dir eine frohe und ehrenvolle Zukunft aus. Umgib dich mit solchen glücklichen Gedanken nur für einige Minuten und du wirst überrascht sein, wie schnell all die Geister des Dunkels und der Trübe, alle Gedanken, die dich quälen und verfolgen, aus deinem Sinn schwinden. Sie können das Licht nicht ertragen. Licht, Freude, Glück und Einklang mit dir selbst sind deine besten Helfer: kein Missklang, keine Dunkelheit, keine Krankheit kann bestehen, wo sie walten. In einem Aufsatz der „Sammlung der Geheimnisse“ heißt es: „Unsre Sorgen vertragen nichts schlechter, als wenn man sie mit Verachtung oder Gleichgültigkeit straft. Wenn wir uns von ihnen lossagen und sie über wichtigeren Dingen vergessen, oder wenn wir ihre Unbedeutendheit verlachen, dann sinken sie beschämt ins Dunkel und verbergen ihre Häupter.“

 

Solange wir unsre Stimmungen nicht beherrschen können, sind wir nicht imstande unser Bestes zu leisten. Kein Mensch, der unter der Herrschaft seiner Stimmungen steht, ist frei. Nur der ist frei, der zur Herrschaft gelangt diesen geistigen Feinden zum Trotz. Ein Mensch, der jeden Morgen erst seine Stimmung befragen muss, ob er heute auch sein Bestes leisten kann oder ob er nur mit einer unbedeutenden Aufgabe fertig wird, der erst sozusagen auf sein geistiges Wetterglas sehen muss, um festzustellen, ob sein Mut zunimmt oder abnimmt, der ist ein Sklave und Erfolg wie Glück sind für ihn unerreichbar.

 

Wie anders sieht der Mensch in die Welt, der jeden Morgen das Zutrauen zu sich selber hat, dass er heute eine tapfere Arbeit tun wird, die beste, die er überhaupt zu tun fähig ist und dass keine innere Stimmung und keine äußeren Umstände ihn daran hindern können. Wie stolz hält der sich, der keine Furcht, keinen Zweifel, keine Zaghaftigkeit kennt.

 

Es ist freilich wahr, dass diese höchste Herrschaft über sich selbst, die eine ruhige, kraftvolle Seele über Millionen Sklaven der Stimmung hinaushebt, zu den letzten Errungenschaften der Bildung gehört, aber sie ist die Vorbedingung jedes großen Erfolges und sie ist bei richtig geleitetem Bemühen für jeden Menschen erreichbar. Wenn wir das erreicht haben, dann brauchen wir nicht länger jene heiteren Geister zu beneiden, die uns einen so starken Eindruck von Macht, Ruhe und unerschütterlicher Sicherheit geben und ihrem Ziel zustreben, wie die Himmelskörper ihre Bahnen ziehen. Auch sie haben nur gelernt, richtige Gedanken zu fassen, ihre Stimmungen und dadurch Menschen und Umstände zu bezwingen – wir können ihnen gleichen, wenn wir nur wollen.

 

Sich unter einem Druck von außen selbständig zu bilden und zu erziehen, das ist die beste Disziplin, die es in der Welt gibt. Du weißt, was das Richtige ist und was du tun sollst, auch wenn dein Sinn nicht danach steht, es zu tun. Dann ist es Zeit, dich selbst fest in die Hand zu nehmen und dich ohne Schwanken an deine Aufgabe zu halten, gleichviel wie schwer und unangnehm sie dir vorkommt. Halte diese harte Disziplin Tag für Tag und Woche für Woche aufrecht und du lernst gar bald die Kunst aller Künste: die vollkommene Herrschaft über dich selbst.

 

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