Erwarte den Erfolg bestimmt

Aus Der außergewöhnliche Geschäftsführer - 1. Kapitel: Erwarte den Erfolg bestimmt

 

Wenn man Erfolg haben will, ist die erste Bedingung, dass man ihn ganz bestimmt erwartet. „Hier wird nur vom Überfluss gesprochen“. Diese Worde überraschten mich einmal als Wandspruch in einem Geschäft in New York, und ich dachte dabei, dass solche Leute gewiss reich werden, denn sie erwarten den Reichtum ganz bestimmt und lassen Armut und Mangel überhaupt gar nicht gelten.

 

Der beste Weg, etwas Gedachtes wirklich zu machen, ist der, dass man immer den Gedanken festhält, es sei schon wirklich. Tausende haben die Armut von sich weggedacht, weil sie eine Ahnung von dem großen Gesetz haben, dass wir alles, was wir beständig in Gedanken tragen und ernstlich wollen, ganz von selbst seiner Verwirklichung näherbringen.

 

Neulich hörte ich, dass eine Firma an alle ihre Verkaufsgeschäfte ein Rundschreiben schickte, in dem gesagt wurde, die Sache stehe sehr schlecht und man verlasse sich auf die eifrige Tätigkeit der Verkäufer, sonst komme man nicht aus der schwierigen Lage heraus. – Solch eine Nachricht kann doch kaum eine andre Wirkung haben, als die Leute zu entmutigen, die sonst ihr Bestes getan hätten.

 

Jedenfalls war das eine höchst kurzsichtige Weise, sich heraushelfen zu wollen, denn wenig Menschen sind imstande, nach solcher Entmutigung noch mehr zu arbeiten und Besseres zu leisten als vorher. Jeder Angestellte arbeitet eben lieber für ein blühendes und gutgehendes Geschäft.

 

Ich habe noch nie gesehen, dass ein Mensch Erfolg hatte, der immer davon redete, die Geschäfte gehen so schlecht. Du darfst dir gar nicht erlauben, bei den dunklen Seiten einer Sache zu verweilen; du musst es ablehnen, von schlechten Zeiten oder vom Niedergang des Geschäftes zu reden. Du musst die Sachen nicht herunter-, sondern hinaufreden. Manche Geschäftsleute sind beständige Kritiker und Jammerer; die Zeiten sind immer schlecht, wenn man sie hört. Sie können nur noch trübe sehen und lassen keinen Erfolg gelten. Aber wer so ist, der kann nicht vorwärts kommen, denn der Erfolg ist ein sehr empfindliches Pflänzchen und braucht den Sonnenschein der Hoffnung und den Tau der Ermutigung.

 

Wenn wir etwas lieben und heiß herbeiwünschen, so werden wir ihm ähnlich, und wenn wir etwas hassen und beständig wegwünschen, so werden wir ihm unähnlich; es verliert seinen Halt und seinen Einfluss bei uns und verschwindet schließlich ganz.

 

Es ist nicht schwer, die Aussichten eines Menschen zu berechnen, wenn wir ihn selber kennenlernen. Entweder er zeigt sich schwarzseherisch, verbittert durch trübe Erfahrungen, entmutigt durch Fehlschläge, argwöhnisch gegen jedermann, überzeugt, dass jeder Mensch käuflich ist. Oder er denkt von jedem Menschen das Beste, er sieht hoffnungsvoll in die Zukunft, er ist froh und heiter, er glaubt an den Fortschritt der Menschheit, er freut sich, dass er in der heutigen Zeit lebt, er ist überzeugt, dass er im vornehmsten Volk der Erde zur Welt gekommen ist. Im ersten Fall ist er düster und geht ins Dunkle, im andern Fall sieht er ins Licht und geht dem Licht entgegen und alle Schatten fallen hinter ihn.

 

Wenn einer an das Gute im Menschen glaubt, wenn er überzeugt ist, dass das Böse sich selbst ums Dasein bringt, wenn er im Missklang nur die Abwesenheit des Einklangs und nichts selbständig Wirkliches, ebenso in der Finsternis nur die Abwesenheit des Lichtes sieht, wenn er Gesundheit für das allein Wirkliche und Krankheit für etwas gar nicht Wirkliches hält – dann glauben wir an ihn und vertrauen ihm.

 

Die schöpferische Kraft des Geistes wird durch nichts so gelähmt als durch eine düstere, trübe, mutlose Sinnesart. Wer kein Optimist ist, der kann nichts wirklich Bleibendes und Schöpferisches leisten.

 

Viele Menschen lassen sich durch die Furcht vor Misserfolg und Armut geradezu von dem abhalten, was sie so heiß ersehnen, von Erfolg und Reichtum, indem sie ihre Lebenskraft durch Sorge und Trübsinn verlieren. Schon der Glaube, dass die Erde nicht genug bietet für alle Menschen, dass nur einige wenige in wildem, verzweifeltem Kampf Sieger bleiben können, ist für jeden Fortschritt des Einzelnen wie der Menschheit tödlich. Was alles die Menschen ersehnen – wenn es nur wirklich gut für sie ist, so ist genug Vorrat da für alle.

Und doch steht diese Furcht vor dem Mangel am Nötigsten so oft zwischen dem Menschen und seinem Erfolg wie ein Gespenst, und niemand kann etwas Rechtes leisten, solange dies ihn verfolgt. Wo kein Vertrauen ist, da ist auch kein Mut, und doch bleibt es ewig wahr: Frisch gewagt ist halb gewonnen. Der menschliche Geist ist so geartet, dass er nur dann etwas wirklich Bedeutendes leisten kann, wenn das Banner der Hoffnung über ihm weht.

 

Es gibt Menschen, deren Wesen auf die Molltonart gestimmt zu sein scheint. Sie sind sich vielleicht dessen gar nicht bewusst, aber ihre ganze Richtung geht abwärts. Alles geht bei ihnen ins Düstere, sie sehen auf der Fahrt immer Klippen voraus, an denen ihr Schiff scheitern muss. Im Staatsleben erblicken sie überall zerstörende Kräfte an der Arbeit; nichts ist mehr so, wie es in ihrer Jugend gewesen ist, alles ist schlechter geworden.

 

Ich kenne selbst solche Leute; sie gehen durch die Welt wie eine gewitterschwangere Wolke und verbreiten trübes Dunkel um sich her, wo sie hinkommen. In einen solchen geistigen Zustand zu geraten, ist ein wirkliches Unglück.

 

Alles hängt davon ab, wie wir die Dinge ansehen. Neben diesen Unglücksunken leben Menschen unter ganz denselben Umständen; diese erblicken in jeder Schwierigkeit nur eine Stufe zum Aufwärtssteigen, sie sehen überall Zunahme des Wohlstands.

 

Welch ein Segen, wenn man schon von Jugend auf eine solche Art, die Dinge anzusehen, bei sich entwickelt und sich daran gewöhnt, überall Gutes zu finden und das Böse möglichst zu übersehen. Wie viel mehr machen wir aus unserm Leben, wenn wir immer mutig und hoffnungsvoll in die Zukunft schauen, dankbar alles Gute anerkennen, wo es uns begegnet, und an die Güte der Menschennatur im Ganzen und im Einzelnen glauben.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Gesamtauflage Dezember 2016: 30.000 Exemplare! Vielen Dank!

Gratis:

Der erste "Erfolgsklassiker" überhaupt: "Handorakel und Kunst der Weltklugheit" jetzt als Download unter Kostenlos.

Erfolgsklassiker.de ist ein Imprint des F. Schwab Verlages