Der Mensch, der „weiß“, dass er kann

Aus Die Grundlagen des Erfolgs - 23. Kapitel: Der Mensch, der "weiß", dass er kann

 

Vor nicht langer Zeit wurde ein Freund von mir, ein verhältnismäßig noch junger Mann, unerwartet dazu berufen, zeitweilig vertretungsweise einen Posten zu versehen, der hoch über seinem eigenen war. Er erfüllte die Pflichten dieser höheren Stellung so vollkommen, dass seine Auftraggeber ihn beglückwünschten und ihm den Posten für die Dauer übertrugen.

 

Dieser Mann hatte jahrelang für ein kleines Gehalt gearbeitet und sagte, er habe niemals auch nur im Schlaf daran gedacht, er könnte so rasch vorrücken. Es hatte ihn sogar allmählich beinahe das Gefühl beschlichen, er tauge zu nicht viel im Leben. Er wusste zwar wohl, dass er gewisse Fähigkeiten hatte, aber er getraute sich nicht, mit irgendetwas hervorzutreten. Alle diese Jahre hindurch hatte sein Mangel an Selbstvertrauen seine Begabung gefesselt, wie der Anker den Fesselballon. Aber als er entdeckte, dass er tatsächlich fähig war, eine große Verantwortung zu übernehmen, als kühldenkende Geschäftsleute ihm ihr Vertrauen bewiesen, indem sie ihm ein großes Geschäft anvertrauten, fühlte er seine Kraft verdreifacht. Sein Selbstvertrauen erwachte und machte einen Mann aus ihm. Er fing an, sich selbst höher einzuschätzen und sich Bedeutung zuzumessen, und so kam er mit Riesenschritten vorwärts.

 

Ein Grund, warum die Menschheit als Ganzes genommen nicht die Möglichkeiten ausschöpft, die in ihr liegen und deren sie fähig wäre, ein Grund, warum wir überall glänzende Begabung untergeordnete Arbeit tun sehen, ist der, dass die Menschen lange nicht hoch genug von sich selbst denken. Wir machen uns unsere Göttlichkeit nicht klar, denken nicht daran, dass wir ein Teil der großen urhebenden Kraft des Weltalls sind. Wir kennen unsere eigene Kraft nicht und verstehen sie darum auch nicht zu benutzen. Ein Mensch mit Riesenkräften vermag nicht einmal von einem Stuhl aufzustehen, wenn ihm ein Hypnotiseur die Überzeugung beigebracht hat, er sei dazu nicht imstande. Ehe er glaubt, dass er aufstehen könne, kann er es auch nicht. „Wer denkt, er könne nicht, der kann nicht“ ist ebenso wahr, wie „Wer denkt, er könne, der kann.“

 

Zeige einem ganz verkommenen Menschen einen Schimmer seines höheren, besseren Selbsts, einen Schimmer der Möglichkeiten, die in ihm schlummern; zeige ihm, dass noch etwas in ihm ist, wohl wert, gerettet zu werden, dass noch verborgene Hilfsquellen in ihm liegen, dass er aus dem Rest seines Lebens wohl noch einen schönen Erfolg herausholen kann; stachle seinen Ehrgeiz an, gib seinen verblassten Träumen neue Farbe, und er wird von da an nicht mehr zu hemmen sein.

 

Nichts wird dich so voll befähigen, Großes zu vollbringen, als der Glaube an deine eigene Größe, an deine wunderbaren Möglichkeiten. Lass es dich nicht anfechten, wenn dich die Leute eingebildet oder eigenliebig schelten.

 

Ein englischer Bischof hat gesagt: „Wenn Gott jemand braucht, der eine Riesenaufgabe erfüllen soll, dann nimmt er gewöhnlich einen Menschen und überlädt ihn so mit Eigenliebe, bis er der Aufgabe gewachsen ist.“

 

Die Menschen, die in der Weltgeschichte Großes vollbracht haben, waren meistens nach der Ansicht anderer mit einer gewaltigen Eigenliebe behaftet; das heißt, sie hatten einen unerschütterlichen Glauben an sich selbst. Das war gar keine Eigenliebe, das war ein großer Glaube, geboren aus dem Bewusstsein ihrer Kraft, das durchzuführen, was sie unternommen hatten. Diese sogenannte Eigenliebe in wirklich großen Menschen ist viel eher der Ausdruck ihres Selbstvertrauens, das herrührt von ihrer Selbsterkenntnis, die sie ihre Hilfsmittel, ihre verborgenen Kräfte, ihre Hilfsquellen erkennen lässt, die andere nicht sehen; und darum, weil sie sie nicht sehen, halten sie deren Besitzer für eigenliebig. Sie verwechseln Selbstvertrauen mit Eigenliebe.

 

Napoleons fester Glaube an sich selbst hat ihn zu einem König unter den Menschen gemacht. Nennt es Eigenliebe, Aberglaube, oder wie ihr wollt, es war Napoleons Glaube an seinen Stern, an seine Bestimmung, der ihm seine ungemessene Kraft verlieh, so dass nichts ihn von seinen Vorsätzen abbringen konnte. Das Geheimnis seines Herrschertums und seiner Unternehmungskraft war der unerschütterliche Glaube, dass das Gewehr nicht gemacht, die Kugel nicht gegossen, das Bajonett nicht geschliffen sei, Napoleon zu töten. Ohne diesen gewaltigen Glauben an sich selbst, das unerschütterliche Vertrauen in seine eigene Kraft als der Mann des Schicksals hätte ihn sein Verstand allein nicht an sein Ziel geführt. Hätte er vor dem Tod gebangt, in beständigem Schrecken vor der Mörderhand gelebt oder in der Furcht, irgendetwas könnte sich ihm in den Weg stellen, so hätte ihn das eines großen Teiles seiner Kraft beraubt. Aber Napoleon; er zweifelte niemals daran, dass er dazu geboren sei, das zu vollführen, was er unternahm, nämlich der große Heerführer, der Herrscher vieler Reiche zu werden. Dieser Glaube macht ihn fähig, das zu vollbringen, was andern unmöglich gewesen wäre.

 

Ein starker Mensch, der an sich selbst glaubt, ist nicht zu besiegen. Er ist nicht zu unterdrücken, kann nicht zu Boden gelacht oder zu Boden geredet oder zu Boden geschrieben werden. Keine Macht der Erde kann den Mann überwinden, der seine Fähigkeit zu tun und zu sein kennt. Armut kann ihn nicht verzagt machen, Unglücksfälle können ihn nicht aufhalten, und Schwierigkeiten können ihn nicht um Haaresbreite von seiner Bahn abbringen. Was auch kommen mag, er schaut auf sein Ziel, schreitet ihm entgegen und erreicht es zuletzt. Es ist erstaunlich, wie die Welt einer unbeugsamen Seele Platz macht, und wie einem entschlossenen Menschen, der an sich selbst glaubt, die Hindernisse aus dem Weg verschwinden.

 

Andererseits gibt es keine Weisheit, die macht, dass ein Mensch etwas tun kann, der denkt, er könne es nicht, oder der seine Fähigkeit dazu irgendwie bezweifelt. Der Grund, warum Zehntausende von Menschen nichts im Leben erreichen oder in Mittelmäßigkeit verharren, obwohl sie zu unendlich viel Höherem veranlagt waren, ist ihr Mangel an Selbstvertrauen, der sie hindert, sich an die Arbeit zu machen, von der sie innerlich fühlen, dass es die ihnen zugewiesene Arbeit ist. Viele von ihnen gehen mit hohen Erwartungen ins Leben hinaus, aber bald fängt es an, abwärts mit ihnen zu gehen, da sie an sich selbst zweifeln und sich herabsetzen oder das Selbstvertrauen verlieren. Sie haben sich gefürchtet, die Schritte zu tun, die für ihr Fortkommen nötig gewesen wären. Aber sowie du anfängst, Zweifel zu hegen und das Vertrauen zu dir selbst zu verlieren, hast du dich auch schon dem Feind ergeben. Sobald du vor dir selbst eine Schwäche oder Unfähigkeit zugibst, schwächst du dein Selbstvertrauen und untergräbst damit die Grundlage jeden Vollbringens.

 

Die meisten der Erfolglosen sind die Opfer einer Reihe von geistigen Fehlern, die ihr Selbstvertrauen zerstört oder so geschwächt haben, dass sie aufhörten, nach Erfolg zu ringen oder es nur noch mit halbem Herzen taten. Wenn sie dahin gebracht werden könnten, wieder an sich zu glauben wie in ihrer Jugend, dann könnte immer noch etwas aus ihnen werden und aus vielen sogar noch etwas ganz Bedeutendes.

 

Halte jederzeit an deiner Überlegenheit, deiner Göttlichkeit, deiner Kraft, Erfolg zu erringen, fest. Glaube an dich selbst und mache dir klar, dass du dazu geschaffen bist, über deine Umgebung zu herrschen. Entschließe dich, der Herr und nicht der Knecht der Umstände zu sein. Sage niemals „Ich kann nicht!“ sondern stets „Ich kann, und darum will ich“.

 

Wenn du schüchtern und verzagt bist und einen Misserfolg fürchtest, kannst du deinen Mut und dein Selbstvertrauen stärken und kräftigen, wenn du täglich deinem inneren Selbst herzlich zusprichst und immer wieder die bejahenden Behauptungen aufstellst und festhältst: „Ich kann, ich muss, ich will.“

 

Aber vergiss nicht, wenn du nicht mit derselben Entschlossenheit handelst, wie deine Worte klingen, dann sind sie nichts nütze.

 

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