Nur das Beste ist gut genug

Aus NACH HÖHEREM STREBEN - 3. Kapitel: Nur das Beste ist gut genug

 

Tausende werden ihr ganzes Leben lang auf untergeordneten Stellungen festgehalten, weil sie nicht mehr imstande sind, die Schäden ganz zu überwinden, die ihnen früh erworbene Gewöhnung an nachlässiges Arbeiten zugefügt hat. Vielleicht war es schon in der Schule, dass sie anfingen, ihre Aufgaben unpünktlich und ungenau zu machen, sich um schwierige Dinge herumzudrücken, der Arbeit auszuweichen oder sie bloß halb zu tun. Neulich sah ich in einem Geschäft einen Spruch an der Wand, der einen großen Eindruck auf mich machte: „Nur das Beste ist gut genug!“ Welch ein wunderbarer Wahlspruch fürs Leben! Wie würde die ganze Welt verändert, wenn jedermann nach diesem Spruch lebte und arbeitete, wenn jeder sich sagte: was ich auch tue, nur das Beste, was ich leisten kann, ist gut genug! Die Geschichte der menschlichen Gesellschaft zeigt uns in zahllosen Fällen, was für schreckliche und erschütternde Folgen durch Nachlässigkeit und durch ganz unentschuldbare Versehen entstanden, weil so viele Menschen sich nicht daran gewöhnen können, gründlich und genau zu arbeiten und jede Arbeit tadellos fertigzumachen. Überall auf der Welt gewahren wir die traurigen Folgen elenden Stückwerks. Zahllose Gräber, vater- oder mutterlose Kinder – sie alle erzählen davon, dass irgendjemand nachlässig war, ein Versehen gemacht oder nicht pünktlich gearbeitet hatte.

 

Wenn alle Menschen bei jeder Arbeit ihr Gewissen zu Rate zögen und sie vollständig und tadellos ausführten, so würden nicht bloß viele Menschenleben gespart, es liefen nicht bloß tausendmal weniger verstümmelte Menschen, sondern wir hätten eine höher entwickelte Menschheit.

 

Wer gewohnheitsmäßig seine Arbeit kümmerlich und liederlich macht, der wird bald auch in andern Dingen unzuverlässig werden. Wer gewohnheitsmäßig seine Arbeit vernachlässigt, der verschlechtert seinen Charakter. Flickwerk bei der Arbeit macht das ganze Leben zum Flickwerk. Unsre Arbeit ist ein Teil von uns selbst. Jede unvollständige und nachlässige Arbeit, die aus deiner Hand kommt, macht dich unfähiger, gute Arbeit zu liefern: sie ist eine Beleidigung deiner Selbstachtung, eine Versündigung an deinem höchsten Ideal. Jedes schlechte Stück, das du lieferst, ist ein Feind, der dich herabzieht und dich hindert, vorwärts zu kommen und besser zu werden.

 

Eines der wichtigsten Vorzeichen des Erfolges ist die brennende Sehnsucht, seine Sachen wirklich fertig zu machen und im Kleinen ebenso genau zu sein wie im Großen. Der junge Mann, der vorwärts kommt, ist allemal der, der nicht damit zufrieden ist, wenn er etwas „leidlich“ gemacht hat, und der nichts halbfertig aus der Hand gibt: Nur was vollständig ist bis zur Vollkommenheit, genügt den Ansprüchen, die er an sich selber stellt. Solche Leute, die das unstillbare Verlangen in sich tragen, überall der Beste zu sein, das Beste zu leisten und das Beste zu haben, die halten die Fahne des Fortschritts in der Hand und werden Vorbilder und Ideale für andre.

 

Es ist mit Recht gesagt worden: Nachlässigkeit und Unwissenheit wetteifern miteinander, wer das meiste Unglück in die Welt bringen kann. Wie mancher junge Mann kommt nicht vorwärts, weil er eine Eigenschaft hat, die er für ungefährlich hält: Nachlässigkeit, Mangel an Genauigkeit. Nie macht er etwas ganz fertig, was er angefangen hat; nie kann man sich bei ihm darauf verlassen, dass etwas ganz in Ordnung ist, das er abliefert: immer muss noch jemand seine Arbeit nachprüfen. So gibt es Hunderte von Handlungsgehilfen und Buchhalter, die nie über ein ganz kleines Gehalt und eine ganz untergeordnete Stellung hinauskommen, weil sie eben nicht gelernt haben, eine Sache vollkommen recht zu machen.

 

Die meisten jungen Leute sehen nicht, dass die Sprossen der Leiter, die zu den höchsten Stellen führt, nur aus der treuen Erfüllung der ganz gewöhnlichen, niederen, alltäglichen Pflichten bestehen, die sie in ihrer jetzigen Stellung zu erfüllen haben. Deine Arbeit von heute ist der Schlüssel zu der Tür deiner Beförderung für morgen. Es gibt viele Angestellte, die auf irgendeine große Sache warten: die soll ihnen Gelegenheit geben, zu zeigen, was sie wert sind. „Was kann dieses trockene Einerlei, diese gewöhnliche und alltägliche Arbeit nützen, um mich vorwärts zu bringen?“ so sagen sie zu sich selber. Aber nur der kommt voran in der Welt, der die günstige Gelegenheit gerade in diesen einfachen Arbeiten entdeckt, der in ganz gewöhnlichen Umständen ungewöhnliche Möglichkeiten erblickt. Was die Aufmerksamkeit deines Vorgesetzten und andrer Leute auf dich lenkt, das ist folgendes: tu deine Arbeit ein wenig besser als die Leute um dich herum, mache sie ein wenig hübscher, ein wenig schneller, ein wenig genauer, ein wenig sorgfältiger als die andern; sei findig im Entdecken, wie man alte Dinge auf neue und bessere Art machen kann; sei ein wenig höflicher und zuvorkommender, ein wenig taktvoller, fröhlicher und hoffnungsfreudiger, ein wenig energischer und brauchbarer als die andern!

 

Auch wenn du noch so wenig dafür bekommst, darfst du doch niemals eine Arbeit aus der Hand geben, für die du nicht mit gutem Gewissen einstehen kannst. Wenn du eine Arbeit fertigmachst, so musst du imstande sein zu sagen: „Hier ist mein Werk, ich bin bereit, dafür aufzukommen. Es ist nicht bloß annähernd leidlich gemacht, es ist gearbeitet, so gut als ich es machen konnte, es ist vollkommen fertiggemacht. Ich will dafür aufkommen, jeder darf mich nach dieser Arbeit beurteilen.“ Gründlichkeit und Vollständigkeit der Arbeit – das waren die Eigenschaften aller erfolgreichen und großen Männer. „Genie ist Fleiß.“

 

Nur dem Fleiß, den keine Mühe bleichet,

Rauscht der Wahrheit tief versteckter Born.

 

Aber viele von unsern amerikanischen Landsleuten scheinen zu glauben, dass sie sich alle Arten von ärmlicher, nachlässiger, halbfertiger Arbeit leisten und damit doch Erfolge erster Güte erreichen könnten.

 

Dickens ließ sich nie darauf ein, öffentlich vorzulesen, wenn er sich nicht ganz sorgfältig vorbereitet hatte. Es war seine Gewohnheit, ein Stück, das er vorlesen wollte, sechs Monate vorher täglich für sich zu lesen.

 

Der große französische Schriftsteller Balzac arbeitete oft an einer Seite eine ganze Woche, und da wundern sich noch manche unter den wie Pilze über Nacht aufgeschossenen Schriftstellern unsrer Tage, warum Balzac so berühmt ist. Manche entschuldigen sich, wenn sie kümmerliche und nachlässige Arbeit liefern, sie hätten keine Zeit gehabt, bessere zu machen. Aber in allen gewöhnlichen Lebenslagen hat man Zeit genug, alles so zu tun, wie es getan werden soll, und wenn wir uns daran gewöhnten, stets nur vollkommene Arbeiten aus der Hand zu geben, so wäre unser Leben selbst unendlich viel vollkommener, und es wäre ein Ganzes, während es heute meist nur Stückwerk ist.

 

Strebe nach dem Höchsten und lass dich durch nichts davon abbringen. Habe nie etwas zu tun mit minderwertiger Arbeit. Was für einen Beruf du auch hast – dein Warenzeichen sei stets: Tadellose Arbeit.

 

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